Ein Zuhause in mir selbst

Über Gemeinschaft, Yoga und eine Zeit, in der ich mir selbst wieder begegnet bin.

Es gibt Zeiten im Leben, die verändern uns nicht, weil etwas Außergewöhnliches passiert.
Sondern weil wir plötzlich wieder etwas fühlen, das wir lange nicht mehr gespürt haben.

So eine Zeit war für mich meine Yogaausbildung.
Und manchmal fällt es mir bis heute schwer, in Worte zu fassen, was diese Monate eigentlich mit mir gemacht haben.

Denn es war so viel mehr als das Erlernen von Asanas, Atemtechniken oder philosophischen Lehren.

Es war ein Wiedersehen.

Mit mir selbst.

Zwischen all dem Leben
Manchmal vergehen Jahre, in denen wir einfach funktionieren.

Wir sind da. Für unsere Familien. Für andere Menschen. Für all die kleinen und großen Dinge, die das Leben täglich von uns möchte.

Wir organisieren, planen, kümmern uns.

Und oft merken wir gar nicht, wie selten wir uns dabei selbst wirklich begegnen.

Nicht, weil wir uns bewusst vergessen.

Sondern weil das Leben manchmal einfach so laut ist, dass unsere eigene Stimme darin immer leiser wird.

Ich glaube, genau deshalb hat mich diese Zeit so tief berührt.

Weil ich dort plötzlich wieder Raum hatte.

Nicht nur in meinem Kalender.

Sondern in mir.

Diese Wochenenden gehörten mir
Während meiner Yogaausbildung habe ich an den Ausbildungswochenenden immer vor Ort übernachtet.

Und rückblickend war das eine der schönsten Entscheidungen, die ich für mich treffen konnte.

Ich musste abends nicht zurück in meinen Alltag.

Nicht gedanklich schon wieder beim nächsten Morgen sein.

Ich durfte einfach bleiben.

In dieser besonderen Atmosphäre. Bei den Menschen. Bei dem, was wir gemeinsam erlebten.

Morgens aufwachen und wissen, dass dieser Tag ganz dem gewidmet war, was mich gerade so sehr erfüllte.

Yoga praktizieren. Lernen. Fragen stellen. Zuhören. Lachen.

Und manchmal einfach nur dasitzen und spüren, wie gut es tut, genau dort zu sein.

Es waren Wochenenden, an denen ich nicht das Gefühl hatte, irgendwo anders sein zu müssen.

Ich war da.

Ganz.

Wenn aus fremden Menschen Vertrautheit wird
Was mich an dieser Zeit vielleicht am meisten berührt hat, war das Miteinander.

Menschen, die sich zunächst fremd waren und irgendwann auf eine Weise verbunden fühlten, die sich kaum erklären lässt.

Wir teilten unsere Praxis, unsere Gedanken, unsere Fragen.
Wir sangen gemeinsam Mantren.
Manchmal laut und voller Hingabe. Manchmal ganz leise.

Und es gab diese Augenblicke, in denen ich mich umsah und einfach nur dankbar war, Teil davon zu sein.

Nicht, weil alles perfekt war.
Sondern weil es echt war.
Weil niemand etwas darstellen musste.
Weil wir gemeinsam lernen, wachsen und Erfahrungen sammeln durften.

Ich erinnere mich besonders an dieses Gefühl, wenn wir alle zusammen waren.

An die Wärme, die Vertrautheit und dieses schwer zu beschreibende Gefühl von Zugehörigkeit.

Als würde für einen Moment alles an seinen Platz fallen.

Ein Zuhause, das keine Wände braucht
In der Yogaphilosophie begegnet uns immer wieder die Einladung, nach innen zu schauen.
Uns selbst wahrzunehmen. Zu beobachten. Zu erkennen, was hinter all den Gedanken, Erwartungen und äußeren Umständen liegt.

Damals begann ich, diese Worte nicht nur zu verstehen.
Ich begann, sie zu fühlen.
Durch die gemeinsame Praxis.
Durch die Stille.
Durch den Atem.
Durch Musik und Mantren, die manchmal noch lange in mir nachklangen.

Und vor allem durch dieses besondere Miteinander.

Ich hatte nach so vielen Jahren wieder das Gefühl, vollkommen bei mir zu sein.

Nicht als Mutter. Nicht in irgendeiner Rolle, die das Leben gerade von mir verlangte.
Sondern einfach als ich.

Und vielleicht war genau das das größte Geschenk dieser Ausbildung.
Nicht nur neues Wissen.
Sondern dieses tiefe Gefühl, in mir selbst wieder ein Zuhause gefunden zu haben.

Was bleibt
Manche Erfahrungen begleiten uns weit über den Moment hinaus, in dem wir sie machen.

Sie verändern etwas in uns.

Leise. Manchmal kaum merklich.

Und erst mit etwas Abstand begreifen wir, wie viel sie uns eigentlich geschenkt haben.

Meine Yogaausbildung war für mich eine solche Erfahrung.

Natürlich habe ich unglaublich viel gelernt.
Über Yoga. Über den Körper. Über Atem und Philosophie.

Aber das Wertvollste lässt sich auf keinem Zertifikat festhalten.

Es sind die Begegnungen.
Die gemeinsamen Stunden auf der Matte.
Die Stimmen beim Mantrensingen.
Die Gespräche.

Dieses Gefühl, angekommen zu sein.

Und die Erkenntnis, dass es manchmal gar nicht darum geht, jemand Neues zu werden.

Sondern darum, dem Menschen wieder näherzukommen, der man längst ist.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mir Verbindung heute so viel bedeutet.

Weil ich selbst erfahren durfte, wie viel sie in einem Menschen bewegen kann.

Und weil ich weiß, wie besonders es ist, wenn man einen Ort findet, an dem man einfach sein darf.

Ohne Erwartungen.

Ohne etwas beweisen zu müssen.

Einfach da.

Ganz bei sich. Und gleichzeitig verbunden mit anderen.

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